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In den letzten
Jahren sind wir zu bekennenden "Steig"ern
geworden und haben es genossen, einige "Top Trails"
zu erwandern und vor allem zu erleben. Im Bekanntenkreis
gelang es, andere Alpenvereinsler für den König-Ludwig-
Weg zu begeistern. Kleiner Bonus für die "Uberzeugung":
Die Tour verlief mit Gepäcktransfer, ganz luxuriös - es
blieb das Erleben, eine längere Strecke Stück für
Stück zu wandern und fast jede Nacht in einem anderen
Bett.
Am Sonntag, den 29.08.2010 ist es so weit. Die Anreise
erfolgt mit der Bahn von Aachen bis Dießen am Ammersee.
Sonniges Wetter, malerischer Ort und freundliche Leute
sind der hoffnungsvolle Auftakt für uns neun Wandersleut.
Nachdem wir im Hotel Haus Ammersee unsere Koffer
abgestellt haben, stärken wir uns bei Kaffee und Kuchen
für die anschließende Ortsbesichtigung und den ersten
Anstieg zum Dießener Marienmünster.
Im Haus Ammersee begrüßt uns Frau Jetschke von der
Alpenland-Touristik um die Wandertour zu besprechen.
Im Gasthof "Unterbräu" machen wir erste
Bekanntschaft mit "ner halben Maaß", der noch
viele folgen sol1ten und lassen den Tag ausklingen.
Von Berg am
Starnberger See nach Kloster Andechs:
Um 8.30 Uhr erfolgt der Transfer durch Frau Jetschke
nach Berg am Stamberger See zur Votivkapelle, errichtet
aus Anlass des tragischen Todes König Ludwigs II.
Hier beginnt unser Wanderweg mit dem Zeichen - blaues K
mit blauer Krone auf weißem Grund - es begleitet uns bis
Füssen. Die Uferpromenade ist teilweise überflutet,
über Stege kommen wir dennoch trockenen Fußes weiter.
Ein seltenes Schauspiel bietet sich uns, dunkle Wolken,
starker Wind, aufgewühlte See.
In Starnberg an einer Kreuzung: "Wo ist das blaue K?"
Erste Pfadfinderqualitäten sind gefragt. Gemeinsam
lösen wir dieses Problem.
Das nächste Hindernis taucht in Form einer Sperrung der
Maisinger Schlucht auf. Was tun? Wir beschließen, so
weit es möglich ist, unseren Weg fortzusetzen. Trotz
ausgespülter Wege, die an ein Bachbett erinnern und
unterspülter Brücke, gelangen wir nach Maising.
Nachdem erste Regentropfen fallen, die sich zu einem
handfesten Regen steigern und bis zum nächsten Vormittag
anhalten, erreichen wir nach 23 km durchnässt und
verfroren Erling am Fuße der Klosteranlage Andechs. Ein
tolles Ambiente erwartet uns im Hotel "Zur Post";
die nassen Klamotten wandern in den Trockenraum.
Abends ist unsere gute Laune wieder zurück und wir
brennen darauf, den bedeutendsten und ältesten
Wallfahrtsort Bayerns zu erkunden. In der
Klostergaststätte laben wir uns an dem berühmten
Klosterbier, "da Leib und Seele" nach einer
alten benediktinischen Regel "zusammen gehören".
Von Andechs über Herrsching - Dampfertransfer nach
Dießen - nach Kloster Wessobrunn
Gut gestärkt nach einem ausgiebigen Frühstück geht
es zunächst über den "Heiligen Berg von Andechs"
zur Wallfahrtskirche der Benediktiner. Die
Rokokoinnendekoration stammt von dem Wessobrunner Johann
Baptist Zimmermann. Eine Gedenktafel weist auf den
Komponisten Carl Orff hin, der in Andechs beerdigt ist.
Gegenüber dem Kirchenportal gehen wir etliche Stufen
hinunter und gelangen in das romantische Kiental und
weiter nach Herrsching. Wolfgang fühlt sich sichtlich
wohl zwischen bayrischem Urgestein.
Mit dem Dampfer überqueren wir den Ammersee nach Dießen.
Beim Unterwirt kurzer Stärkungsstopp, allerdings gehen
Resi und Karl leer aus. Ihren bestellten Leberkas hat man
schlicht vergessen. Entschädigung erfolgte in der
nächsten Metzgerei : Brötchen mit Megascheibe Leberkas.
Durch das Ortszentrum spazieren wir an malerischen
Häusern vorbei durch den Taubenturm (ein Torturm zum
Klosterwirtschaftsgebäude gehörend) und stehen vor der
Fassade des Marienmünsters. Eine Innenbesichtigung ist
wegen Renovierungsarbeiten nicht möglich. In einer
uralten, ehemaligen Klosterstallung entstand vor einigen
Jahren die moderne und doch romanisch wirkende
Winterkirche St. Stephan.
Von Dießen-Berg wieder herrliche Sicht auf Ort, Münster
und Landschaft. Walter ganz begeistert "Das ist es,
was mir am Wandern so gefällt".
Wir verlassen Dießen mit Blick auf den Ammersee und
gegenüber hoch oben auf dem Berg Kloster Andechs.
Über den bewaldeten Schatzberg mit Mechthildisbrunnen
und Burgkapelle erreichen wir die kleine Anhöhe mit
wundervollem Weitblick zum Hohen Peißenberg mit dem
Sendemast, dahinter erstrecken sich die Alpen (der
höchste Gipfel ist die Zugspitze). Angesichts dieses
Panoramas laufen wir gemächlich hinab in die schöne
Wald- und Wiesenlandschaft mit vielen Heuhütten. Unser
"K"- Wanderzeichen führt uns durch den
Bayerdießener Staatsforst, mal im Linksbogen - mal
geradeaus - Querweg rechts - Sterngabeln.
Christian ganz irritiert, diese "K"-
Wegführung ist auf der Wanderkarte nicht nachvollziehbar.
Kräftiger Anstieg am Waldrand, oben bietet sich uns ein
wundervoller Weitblick zu den Raistinger Antennen und bis
hin zu Kloster Andechs. Auf der Höhe reicht der Blick
von den Ammergauer Bergen über Wetterstein-
Karwendelgebirge bis weit über die Tegemseer Berge.
An Haid vorbei gelangen wir zum Kloster Wessobrunn. Im
Kloster, berühmt durch das Wessobrunner Gebet (
ältestes althochdeutsches Sprachkunstwerk um 800
entstanden) und herrliche Barock- und Rokokoarbeiten,
begrüßen uns die Schwestern ganz herzlich.
Während einer Führung mit Schwester Georgia (von den
Tutzinger Missionsbenediktinerinnen) erfahren wir alles
über die Heimat der Wessobrunner Baumeister und
Stuckateure, die in einem Zeitraum von 100 Jahren in ganz
Europa 4 500 öffentliche Gebäude (Kirchen und Schlosser)
stuckatiert haben. Der berühmteste Sohn des Ortes ist
Dominikus Zimmermann, Erbauer der Wieskirche. Durch das
Treppenhaus gelangen wir zum ehemaligen Fürstentrakt,
der mit seinem üppigen Stuck überrascht:
WOW
Am Ende des Prachtganges öffnet sich der Blick zum
früheren Prälatentrakt. Jetzt Wohnbereich des Pfarrers
(schönstes Pfarrhaus Bayerns). Als Höhepunkt das
Jagdzimmer, der Tassilosaal. Üppige Akanthusblätter-Verzierungen
überall.
Abendessen im Gasthof Post, Schwester Georgia hat uns
bereits dort angekündigt. Wir finden einen festlich
gedeckten Tisch bei Kerzenschein vor, der passende
Ausklang für uns müde Wanderer.
Nach 22 km sinken wir müde in klösterliche Betten.
Von Wessobrunn üiber den Hohen Peißenberg nach
Peiting
Strahlender Sonnenschein und Alpensicht. An den
Anwesen Pürschlehen und Guggenberg vorbei (von
Guggenberg bietet sich eine schöne Alpensicht und es
zeigt sich der Peißenberg schon nah) erreichen wir St.
Leonhard im Forst, mit Wallfahrtskirche zu Ehren des
heiligen Leonhard erbaut, großes Deckenfresko.
Mindestens seit dem Jahre 1717 findet jährlich am Fest
des heiligen St. Leonhard (6.11.) der farbenprächtige
Pferdeumritt mit Segnung statt. Unterwegs auf der
Forststraße wenig Verkehr, so dass drei Damen arglos
seitlich das Gestrüpp aufsuchen. Plötzlich war doch ein
Bauer mit dem Auto unterwegs, kommt er vom Frühschoppen
in Wessobrunn?
Drei "Monde" am Waldesrand leuchten ihm
entgegen und schmunzelnd entfährt ihm ein vergnügliches,
laut vernehmliches "super". Nachdem wir den
Hohen-Peißenberg, Wahrzeichen des Pfaffenwinkels, der
wegen seiner unvergleichlichen Aussicht auch "Bayerischer
Rigi" genannt wird, solange gesehen haben, wollen
wir ihn auch besteigen. Die Aussicht yom Gipfel ist
grandios: 11 Seen und die ganze Alpenkette von
Berchtesgaden bis zum Bodensee.
Von dem Rundblick sind wir überwältigt. Ein Haferl
Kaffee im Gasthaus "Bayrisch Rigi" mit einer
Brotzeit stärken uns. An der Wetterstation vorbei - das
älteste Bergobservatorium der Welt mit Wetterbeobachtung
seit dem Jahre 1781- beginnen wir auf schmalem Steig den
Abstieg. Auf einem Wirtschaftsweg wandern wir nach
Peiting. Zum Teil schlechte Wegauszeichnung, aber dank
Wanderkarte und "Spürhundfähigkeiten" der
Wandergruppe kommen wir gut in Peiting, unserem Tagesziel,
im Hotel Pfaffenwinkel nach 23 km an.
Von Peiting durch die Ammerschlucht, Rottenbuch,
üiber die Schönegger Käsalpe nach Wildsteig
Bei herrlichem Sonnenschein, blauem Himmel, bester
Laune bei allen, marschiert unser Truppchen laut palavemd
durch das verschlafene Peiting Richtung Ammerschlucht.
Einige Anwohner neugierig, sehen und hören die
Wandersleut, fragen nach dem Woher und Wohin, wünschen
uns ein "Grüß Gott", einen schönen Tag und
einen guten Weg.
Die Schlucht oder auch Ammerleite hat es in sich und
stellt Anforderungen an Trittsicherheit und Kondition. Es
geht über 460 Stufen, glitschige Wege, manchmal mit
Seilsicherung, Stege und kleine Brücken ohne Geländer
entlang der Ammer durch einen herrlichen Mischwald. Die
Ammerschlucht ist auch als Grand Canyon von Oberbayem
tituliert worden.
Im letzten Teilstück stöhnt Annemarie: ,,Ist denn da
oben schon wieder eine Wallfahrtskirche?" Auf der
Höhe angekommen, erblicken wir bald das ehemalige
Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch, wie viele Kirchen
im Pfaffenwinkel ein Juwel barocker Baukunst. Anstrengung
und Sonnenschein machen durstig, so liegt die Schönegger
Käsealpe gerade richtig am Weg.
Bis Wildsteig genießen wir die Aussicht auf das
Alpenpanorama und den von einem Restmoor umgebenen
Schwaigsee. Heute ist die Übernachtung im Hotel zur Post
in Wildsteig, einem kleinen gemütlichen Ort in 900 m
Höhe, den wir nach
19 km erreichen.
Rundtour Wildsteig, Wieskirche, Steingaden, Wieskirche,
Wildsteig,
Der kulturelle Tag!
Der Pfaffenwinkel ist ein aufgeschlagenes Buch der
Kunstgeschichte. Gut ausgeruht, machen wir uns auf den
Weg. Kofferpacken ist heute nicht nötig, da eine zweite
Übernachtung vorgesehen ist. Häuser mit auffälliger
Blumenpracht säumen den Weg zur kleinen, nach barockem
Vorbild erst 1971 errichteten Dreifaltigkeitskapelle.
Davor ist ein Stückchen des alten Flechtzaunes erhalten.
Wir genießen den wundervollen Blick über das fast die
ganze Talmulde füllende Moorgebiet. Ein stetiges Auf und
Ab bringt uns der Wieskirche näher. Die unverkennbaren
kleinen Hügel (Drumlins) sind typisch für das
Alpenvorland.
Es heißt nicht umsonst, wer die Wieskirche ganz erleben
will, sollte zu Fuß kommen. Da öffnet sich mit einem
Male der Wald und auf dem dunklen Hintergrund der
Trauchberge ist die Wieskirche zu sehen. Die
Außenfassade ist schlicht und bescheiden, bewusst
zurückhaltend wegen der Schlichtheit der Landschaft, und
noch ahnen wir nicht, welche Herrlichkeit im Innern auf
uns wartet. Als das bayerische Barockjuwel schlechthin
gilt die weltberühmte Wieskirche (UNESCO- Weltkulturerbe)
- ein Wunder an Licht und Raum.
Die Lichtdurchflutung erreichte der geniale Architekt
Dominikus Zimmermann durch mehr als 20 Langfenster und
fast eben so viele kleinere Fensteröffnungen. Johann
Baptist Zimmermann gelang es, seine Fresken in Form und
Farbe vollendet mit dem kühnen Stuck des Bruders zu
verschmelzen. Die Fotografen unter uns können sich
austoben. Nach ausgiebiger Besichtigung nehmen wir über
den "Brettlsteig" durch das Hochmoor Kurs auf
Steingaden, ein weiteres Kleinod im Pfaffenwinkel.
Das Welfenmünster ist eine dreischiffige, romanische
Pfeilerbasilika. Nach soviel Kultur haben wir eine
Kaffeepause verdient. Wolfgang genießt seinen
obligatorischen Kuchen, den er ab Dießen ortsspezifisch
probiert. Frotzelei der Gruppe: "Wolfgang, der
Süße" Nach 20 km wieder über die Wieskirche
zurück ins gleiche Hotel.
Von Wildsteig- Transfer Steingaden - Premer Filz -
Lechaue nach Buching
Wie jeden Morgen ist Treff zum Frühstück. Heute
wird das nächtliche Trompetensolo heiß diskutiert.
Einige haben es genossen, während andere sich über die
Ruhestörung beschwerten. Eine Musikgruppe übernachtete
auch im Hotel. Einige brachten dann mitten in der Nacht
noch ein Ständchen, und störten somit den Schlaf der
Wanderer.
9,00 Uhr erfolgt der Transfer nach Steingaden. Mit
Steingaden verlassen wir den Pfaffenwinkel, nicht aber
unser Wegzeichen, das gekrönte blaue "K". Wir
wandern durch dörfliche Weiler mit prächtigen
Bauernhäusern, blühenden Vorgärten, durch das Premer
Moorgebiet (Premer Filz) zur Lechaue. Die Lechaue ist ein
kleines Schmuckstück der Natur. Unser "König-Ludwig-
Weg" hat plötzlich Begleitung bekommen. Ab hier
folgen wir nicht nur dem "K" sondern auch dem
"L" (Lech-Höhenweg).
Resi bemerkt plötzlich den Verlust ihres Stockunterteils,
allgemeiner Kommentar: "Man kann ja auch dreibeinig
gehen." Erster Regenschauer, den wir geschützt in
der Vogelbeobachtungsstation am Lechsee überstehen.
Über die Örtchen Ostern, Berghof erreichen wir nach 18
km das Hotel Bannwaldsee in Buching.
Beim allabendlichen Treffen, diesmal am "Runden
Tisch", lassen wir die Etappen noch einmal Revue
passieren.
Fazit: Wir sind sehr zufrieden mit uns und dem
Wegeverlauf. Karl trägt durch seine" Witzeleien"
zur Erheiterung der Runde bei. Es ist ein harmonisch
fröhlicher Abend.
Von Buching - Alpenvorland -
Pöllatschlucht - Schloß Neuschwanstein - Schloß
Hohenschwangau - Lechfall nach Füssen
Der letzte Wandertag beschert uns einen
stimmungsvollen morgendlichen Aufbruch mit Nebelschwaden
in den Bergen, dann dominiert die Sonne. Zwischen
Forggensee und Bannwaldsee gelangen wir zur Tegelbergbahn.
Auf unserem Weg, dem Dammweg der Mühlberger Ach,
erblicken wir einsam auf freiem Feld stehend die
Wallfahrtskirche St. Coloman.
Hinter dem alten Sägewerk Gipsmühle kündigt sich die
wilde Pöllatschlucht an. Durch die Schlucht gelangen wir
zum Schloß Neuschwanstein. Atemberaubend spannt sich
dabei die Marienbrücke über die hohe Felsenge, unter
der ein Wasserfall in die Tiefe rauscht und die Mauern
und Zinnen von Neuschwanstein in den Himmel steigen.
Christian folgt den Menschenmassen steil bergan zum
Aussichtspunkt und zur Marienbrücke, wo er auf Schloß
Hohenschwangau, Schloß Neuschwanstein, Pöllatschlucht
blicken und tolle Fotos schießen kann.
Wir gehen hinab in den Ort Hohenschwangau. Hier legen wir
eine längere Trinkpause im Biergarten ein, da die
Tagesetappe doch recht lang und anstrengend ist. Aus
Freude über den bisherigen Wanderverlauf übernimmt
Annemarie die Getränke. Danke -
Für die letzte Wegstrecke nehmen wir den Alpenrosenweg
zwischen Alpsee und Schwansee zum Lechfall. Mit Blick auf
das Kloster St. Mang erreichen wir nach 23 km Füssen.
Wir sind froh und glücklich nach 148 km ohne Blessuren
und ohne Schwund in Füssen angekommen zu sein.
Im Hotel Sonne beschließen wir bei leckerem Essen und
Trinken den Abend und alle sind sich einig:
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"Schöne Wanderwoche in reizvoller Landschaft,
angenehme Hotels, Gasthöfe, wo man bayerische
Schmankerln kennen lernen konnte, und letztlich eine
schöne Gemeinschaft, die allabendlich zum gemütlichen
Tagesausklang beitrug".
Wer Sinn für die Schönheiten der Natur mitbringt und
den Weg in Beschaulichkeit geht, wird jeden Tag voller
Erleben genießen.
Gruppe Frink
Oktober 2010
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