Die Deutsche Weinstrasse

  Grünstadt, die Residenz der ehemaligen Grafen von Leinigen, lockt als Herz des sogenannten Leiningelandes mit einer schmucken Fußgängerzone. Neu- und Altleiningen mit ihren pittoresken alten Burgen sind von hier nicht weit, ebenso Battenberg.

Wer dem Weinstraßen-Signet folgt, gelangt nach Kirchheim mit seinem sehenswert geschlossenen Ortskern. Herxheim am Berg wird geprägt von ehemaligen Herrschaftshäusern, Dackenheim begeistert Kunstfreunde durch sein romanisches Gotteshaus mit schönen Steinmetzarbeiten. Kallstadt bietet nicht nur die passende Weinbergslage zum pfälzischen Nationalgericht, dem Saumagen, sondern auch hübsche Fachwerkhäuser. Tief ins Mittelalter wird der Besucher in Freinsheim mit seinem Stadtmauerring und einer Fülle alter Gebäude versetzt. Im benachbarten Ungstein, das heute zu Bad Dürkheim gehört, wird sogar eine noch frühere Epoche lebendig: Das römische Weingut am Weilberg mit dem antiken Kelterhaus erinnert wie die römische Villa in Wachenheim, ein spätrömischer Burgus in Ungstein und der Steinbruch “Kriemhildenstuhl” nahe Bad Dürkheim an die Römerzeit in der Pfalz und damit an die Anfänge des Weinbaus.

An diesen Resten einer früheren Weinbaukultur, denen Interessierte auf einem Römer-Rundwanderweg nachspüren können, fasziniert das Alter; beim Riesenfass in Bad Dürkheim, einer der Anziehungspunkte des eleganten Kurortes, die schiere Größe. 1,7 Millionen Liter Wein passen in das größte Weinfass der Welt, erprobt wurde das indes nie; denn das Behältnis mit  XXL-Maßen dient als Gaststätte, die allerdings ebenfalls Übermengen fasst: 650 Personen finden Platz.

Die Vergangenheit ist aber auch in dem geschäftigen Staatsbad, in dem im Herbst das größte Weinfest der Welt, der Wurstmarkt, stattfindet, gegenwärtig: Die Ruine der Limburg, dem Hauskloster der Salier, thront auf einem schmalen Höhenzug über der Stadt. Der Legende nach wurde der Grundstein für das Kloster gleichzeitig mit dem des Domes in Speyer gelegt. Das eindrucksvolle Gemäuer dient heute als stimmungsvolle Kulisse für Theateraufführungen und andere Sommer-Vergnügen.

Südlich von Bad Dürkheim heißen drei pfälzische Wein-Berühmtheiten den Besucher willkommen: Wachenheim, Forst und Deidesheim sind für ihre Rieslinge weltbekannt. Während am Haardtrand die Wachtenburg, die Hausburg Wachenheims, die Perlenkette der Baudenkmäler fortsetzt, begeistern die drei Orte mit ebenso großen wie renommierten Weingütern. Forsts alte Hauptstraße mit ihren eindrucksvollen Winzerhöfen ist inzwischen vom Durchgangsverkehr befreit, während sich die Autos in Wachenheim noch durch den engen Ortskern zwängen. Deidesheim, das in den vergangenen Jahren von vielen führenden Politikern der Welt besucht wurde, beherbergt im historischen Rathaus ein Museum für Weinkultur und bietet auch sonst viel Sehens- und Erlebenswertes.

Mußbach gehört wie Königsbach, Gimmeldingen, Haardt, Hambach und Diedesfeld inzwischen zu Neustadt, doch Weinkenner wissen, mit welchen Perlen sich die größte Weinbaugemeinde Deutschlands hier schmückt. Die Stadt selbst, im Zentrum der Weinstraße gelegen, hat ihre gut erhaltene Altstadt in den vergangenen Jahren liebevoll saniert und bezieht ihren eigentlichen Reiz aus der Verbindung von städtischer Lebendigkeit und dörflicher Beschaulichkeit. Das Hambacher Schloss, seit dem Hambacher Fest von 1832 als “Wiege der deutschen Demokratie” bekannt, liegt geradezu aufreizend schön und weithin sichtbar vor den Toren der Stadt.

Zahlreiche Villen und große Weingüter prägen das Ortsbild von Maikammer, wenige Kilometer südlich von Neustadt. Zum Gebirgsrand hin schließt sich St. Martin an, dessen Ortskern mit seinen gut restaurierten Adelshöfen und den Wohnhäusern mit Heiligennischen zu den schönsten an der Weinstraße zählt. Das Dorf schmiegt sich in einen Taleinschnitt, darüber thront die Kropsburg, die auf eine Anlage der Bischöfe von Speyer zurückgeht.

Die Villa Ludwigshöhe ist Edenkobens Vorzeige-Stück. Wie ein Aussichtsbalkon liegt die ehemalige Sommerresidenz der Wittelsbacher inmitten von Wald und Weinbergen. Auf eine Gartenanlage soll Ludwig I. bewusst verzichtet haben: die anmutige Landschaft in der “schönsten Quadratmeile” seines Reiches hielt er auch ohne Zutun der Gartenkünstler für reizvoll genug. In dem repräsentativen Königsbau, der seit 1975 dem Land Rheinland-Pfalz gehört, sind Gemälde des Impressionisten Max Slevogt zu sehen. Gewissermaßen das Pendant zum Dürkheimer Riesenfass liegt in Edenkoben im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Heilsbruck unter der Erde: der größte Holzfasskeller Deutschlands mit einem Fassungsvermögen von mehr als 400.000 Litern.

Nahe der Villa Ludwigshöhe startet in den Sommermonaten die Rietburgbahn. Die Sessellifte bringen Erlebnishungrige in wenigen Minuten zur Rietburg, die in 544 Meter Höhe liegt und einen herrlichen Ausblick in die Rheinebene bietet. Das nahe Örtchen Rhodt unter Rietburg glänzt mit einem weiteren Pfälzer Superlativ: Der 300 Jahre alte Traminer-Weinberg ist der älteste bewirtschaftete Weinberg Europas. Die teilweise mit Kastanienbäumen bestandene Theresienstraße mit ihren malerisch-verträumten, rebenumrankten Winzerhäusern gilt vielen aufgrund ihrer Einheitlichkeit als schönste Dorfstraße weit und breit. Die wenigsten wissen indes, dass die Pfälzer diesen Reichtum an historischer Bausubstanz den Badenern oder Württembergern zu verdanken haben: Das Dörfchen zählte nämlich jahrhundertelang nicht zur Pfalz, sondern war württembergisch oder badisch - und blieb deshalb von den Zerstörungen des pfälzischen Erbfolgekrieges weitgehend verschont.

Edesheim mit seinem neu herausgeputzten Wasserschloss, Hainfeld, Burrweiler, Gleisweiler (im subtropischen Park gedeihen Pflanzen, die sich sonst in Deutschland nur noch auf der Insel Mainau finden), Frankweiler, Siebeldingen und Birkweiler sind weitere Stationen am Weg - hübsche, beschauliche Weinbaugemeinden mit reichlich Geschichte, vielen Geschichten und großem Erholungswert. Die Festungsstadt Landau, wenige Kilometer von der Weinstraße entfernt, ist heute der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt der Südpfalz.

Dem nahen Ranschbach, ein beschauliches Dörfchen mit einigen hundert Einwohnern an der Weinstraße, galt Anfang der achtziger Jahre urplötzlich das Interesse von Zeitungs- und Rundfunkleuten aus aller Welt: Nach einer angeblichen Wunderheilung suchten Tausende eine kleine Quelle westlich des Ortes auf. Der Strom der Heilungssuchenden ist inzwischen längst versiegt, und Ranschbach liegt wieder im Dörnröschenschlaf. Leinsweiler dagegen zieht noch immer Kunstinteressierte aus aller Welt an: der Slevogthof, Sommersitz des berühmten Malers von 1914 bis 1932, schmiegt sich oberhalb des Ortes an den Hang und fällt durch seinen markanten Turm schon von weitem ins Auge.

Das Mittelalter wird an diesem südlichen Stück der Weinstraße, im Vorfeld der Reichsfesten Trifels lebendig wie selten, denn hier glänzen einige Perlen in der Kette der Burgen am Haardtrand. Als erste stimmt die größtenteils zerstörte Ruine Neukastell oberhalb des Slevogthofs auf diesen südpfälzischen Burgenzauber ein; eindrucksvoller stellt sich die Ruine der Madenburg dar, eine langgestreckte Anlage mit Haupt- und Vorburg. Die wenigen Reste der Burgen Heidenschuh und Schlössl bei Klingenmünster geben Stoff für Ruinen-Romantik, während Burg Landeck mit ihrer dicken Ringmauer und dem mächtigen Bergfried auch den weniger Phantasiebegabten Stein für Stein mittelalterliche Wehrhaftigkeit demonstriert.

Durch Gleiszellen-Gleishorbach und Pleisweiler-Oberhofen führt die Weinstraße nach Bad Bergzabern, dem südlichen Pendant zum Staatsbad Bad Dürkheim im Norden. Das ehemalige Schloss der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und schöne Patrizierhäuser prägen das Örtchen, dessen Bewohner noch bis 1908 eine besondere Jagdleidenschaft hatten: Mit Blasrohren stellte man den “Bohämmern” nach, einer Finkenart.

In einem Taleinschnitt westlich der Weinstraße versteckt sich Dörrenbach, ein Kleinod mit Renaissance-Rathaus und vielen Fachwerkhäusern. Durch Oberotterbach und Rechtenbach geht es weiter nach Schweigen, wo das Weintor am Südzipfel der Weinstraße einen markanten Schlussstein setzt. Wer noch immer nicht genug über die Pfalz und ihr bestes Stück, den Wein, erfahren hat, kann über den Ersten Deutschen Weinlehrpfad spazieren, oder einfach kehrtmachen. Er kann aber auch auf der anderen Seite des Bauwerks seine Weinreise im Elsaß fortsetzen. Das Tor jedenfalls ist nach beiden Seiten offen, und sogar auf pfälzischen Wein wird der Reisende in Frankreich noch treffen. Denn die südlichsten Rebflächen an der Deutschen Weinstraße liegen jenseits des Schlagbaums.

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